SCHWARZWALDARENA

EIN FUSSBALLSTADION FÜR FREIBURG IM BREISGAU

AUSGANGSLAGE

Das Schwarzwaldstadion des SC Freiburgs genügt nicht mehr den Anforderungen eines Bundesligavereins und darf nur im Rahmen einer Sondererlaubnis der Deutschen Fußball Liga weiterhin genutzt werden.

Das Spielfeld ist zu klein und hat eine beträchtliche Nord-Süd-Neigung von 98 Zentimetern. Es besteht keine Möglichkeit zur Umfahrung des Spielfeldes auf befestigter Fläche und die Stell- und Auslaufflächen sind in zu geringer Anzahl vorhanden.

Aus diesem Grund soll ein neues modernes Stadion gebaut werden, das die Bestimmungen des DFL erfüllt. Ziel ist es, ein Stadion zu realisieren, das vor allem hinsichtlich der Infrastruktur mit Stadien ähnlicher Vereine vergleichbar ist. Zusätzlich zu Fußballbegegnungen sollte das Stadion auch für andere öffentliche wie private Events genutzt werden können, jedoch nur in der Stadionhülle, und sich auch das Trainingszentrum der Mannschaft auf dem Gelände befinden.

Mit der Planung eines neuen Stadions soll die Kapazität von den bisher 24.000 Zuschauerplätzen im Schwarzwaldstadion auf 35.000 Plätze erhöht werden. Dadurch wird der hohen Kapazitätsauslastung des alten Fußballstadions und dem voraussichtlichen Zuschauerbedarf in der Zukunft Rechnung getragen. Eine hohe Auslastung wird auch für das neue Stadion mit größerer Kapazität erwartet.

Eine Stadionanlage mit diesen Voraussetzungen ermöglicht dem SC weiterhin in der 1. Bundesliga konkurrenzfähig zu bleiben und damit seiner sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Bedeutung für Freiburg aufrecht zu erhalten.

ENTWURF

Ein Stadion hat eine identitätsstiftende Wirkung für eine Stadt und die Region, zählt oft zu den Top Sehenswürdigkeiten und lockt Touristen an. Nun musste der Entwurf einer Arena mit genau diesen Eigenschaften für Freiburg entwickelt werden. Der erste Leitgedanke lautete: Was würde das umweltbewusste Freiburg, die Schwarzwaldhauptstadt, besser repräsentieren als ein Stadion in Holzbauweise? Ein klimaneutrales Stadion in Holzbauweise!

Viele Faktoren standen dafür: der umliegende Schwarzwald, aus dem das Holz regional und ohne lange Transportwege verarbeitet werden kann, die klimafreundlichen Eigenschaften und die Speicherung des Kohlenstoffes und auch der Faktor, dass das Winterer-Stadion aus einer Holzkonstruktion bestand und somit der SC wieder zu seinen Wurzeln zurückkehren würde. Die Idee war klar: Freiburg sollte der erste der 36 deutschen Bundesligisten werden, der in einem Stadion aus Holz spielt.

Die traditionellen Fachwerkhäuser und der Schwarzwald standen somit Pate für ein Bild, das einerseits den Charakter der regionalen Bauweise widerspiegelt und Identität stiftend wirkt, andererseits als Konstruktionsidee für das Tragwerk eines umlaufenden Holzfachwerk aus V-Stützen diente.  

Das städtebauliche Konzept sieht die Planung des Stadionkörpers aufgrund seiner Größe im zentralen nördlichen Plangebietsbereich vor, unmittelbar südlich von der Erhebung des Wolfsbuck. Der Bedeutung des Gebäudes angemessen steht das Stadion auf einem erhöhten Plateau, in das die Tribünen des Unterrangs und interne Funktionsbereiche des Stadions eingebettet sind. Es beinhaltet Parkplätze für die Spieler, Funktionäre und VIPs, Warenanlieferung, Zufahrt für Feuerwehr und Rettungsdienste, Ticketshop, Vereinsmuseum, Mannschaftsbereiche und Lagerräume.   

Die Mehrzahl der Besucher erreicht das Stadion von Süden über einen zentral angelegten Boulevard. Dieser Boulevard bündelt die Besucherströme in kanalisierender Form, die sich sowohl aus der An- und Abfahrt mit der Straßenbahn durch die neue Haltestelle in der Madisonallee ergibt. Der Boulevard, der von Bäumen und Sitzgelegenheiten geprägt ist, führt die Zuschauer auf direktem Weg zum Stadion.

Östlich und westlich des Boulevards wird sich ein großer Teil der weiteren geplanten Flächennutzungen befinden. Östlich des Boulevards befindet sich die Trainingsanlage, basierend auf zwei großen Spielfelder und drei Torwarttrainingsplätzen. Im Süden davon soll der Terminal für Shuttlebusse entstehen. Westlich befinden sich für die Zuschauer Parkmöglichkeiten, die von der Anzahl der Stellplätze auf ein absolutes Minimum reduziert wurde und zugleich von der Universität an Nichtspieltagen mitgenutzt werden kann. Im Osten des Stadionbaus ist ein eingezäunter Busparkplatz für die Gästefans geplant.

Rund um das Stadion führen Rampen und großzügige Freitreppe die Zuschauer auf das Plateau. Die Fläche des Podiums bietet die Möglichkeit sich rund um das Stadion zu bewegen und die Tribüne gleichmäßig von jeder Seite aus zu erschließen. Durch das umlaufende Fachwerk aus Holzstützen, die in einem nach unten hin sich verbreiternden vier Meter hohen Betonsockel münden,  tritt der Besucher in den Umgang des Stadions, wo sich die Kioske für Speisen und Getränke und die Sanitäranlagen befinden. Diese Bereiche sollen in Form von Holz-Raumodule in 2,10 -3,25 Meter breiten Abschnitte samt Inhalt vorgefertigt werden. Durch die abgerundeten Ecken der Kioske wird der Zuschauer durch Mundlöcher ins Innere des Stadions geleitet.

Um eine gute Atmosphäre im Stadioninnenraum zu erzeugen, wurde die Tribüne als ein durchgehender Rang konzipiert um die Stimmung wie bei einem sogenannten „Hexenkessel“ anzufeuern. Durch die Verschneidung der Zuschauerschüssel mit dem optimalen Sichtradius, welcher rund um das Spielfeld geht, wurde eine wellenförmig Tribünenoberkante, mit vielen Zuschauerplätzen entlang der Längsseite des Spielfeldes und wenigen Plätzen an den Kurzseiten, erzeugt. Im Zusammenspiel der geraden Dachkante des Druckrings und den unterschiedlichen Wellengang der Tribünen, nähern sich Dach und Tribüne an und entfernen sich wieder und schafft so ein „Iconic-Design“ für den SC Freiburg und führt außerdem zu einer guten Durchlüftung.

Die Konzipierung des Stadiondaches ist einer der wichtigsten, wenn nicht das wichtigste Schlüsselelement beim Stadionbau. Der Stadionbesucher heutzutage erwartet sich bei seinem Eintritt einen angenehmen, vor Regen geschützten Sitzplatz der sich in der Nähe des Spielfeldes befindet und keine Sichteinschränkungen durch Stützen aufweist. Am Dachinnenring befinden sich Technische Elemente wie Videoleinwand, Lichttechnik, Lautsprecher und Wartungsgang.

Um all diesen Anforderungen zu entsprechen, bedarf es einer Dachkonstruktion, die eine Auskragung bis zu 50 Metern standhält und durch die genügend Sonnenlicht für den natürlichen Rasen eindringen kann. Zusätzlich war es das Ziel ein materialminimiertes Dach zu konzipieren. Hierfür kommt das Speichenrad-Prinzip ins Spiel.  Dabei entspricht der Druckring der Felge, radial angeordnete Seile wirken als Speichen und ringförmige Seile stellen die Nabe des Systems dar, das selbsttragend ist. Die Dachkonstruktion besticht durch einen weiten Druckring am Außenrand, der aus 60 Polygonen besteht und durch geschichtete BSH-Platten mit einer oberseitigen Blechverkleidung ausgebildet ist. Er ist 20 Meter hoch aufgeständert und weist eine Breite von 7,5 Meter auf der Kurzseite, 14 Meter auf der Längsseite auf und sorgt somit als ideale Überdachung für den Rundgang. Von hier laufen 120 Kabelbinder, die durch Luftstützen auseinander gedrückt werden zum Dachinnenring. Die Dachoberfläche wird mit einer Membran aus transluszenter EFTE-Folie bespannt und der Innenring des Daches mit transparentem Plexiglas bedeckt, um genügt Sonnenlicht auf die Rasenfläche zu bringen. Dadurch wird ein leichtes und offenes Dach für die Arena erzeugt und es ermöglicht einen stützenfreien Innenbereich.

Das Spielfeld ist konform mit den UEFA-Standardabmessungen von 105 m x 68m. Die Spielfeldausrichtung weicht 15° von der Nord-Süd-Achse ab, die sich in Bezug auf die Sonnenposition zur Halbzeitpause von Nachmittagsspielen als ideal erweist.

Auf der Westseite liegt die Haupttribüne des  Stadions, denn hier befinden sich die besten Plätze, da bei Nachmittag-Spielen, die Sonne aus dieser Richtung kommt. Aus diesem Grund befindet sich hier der VIP und Businessbereich. Der Businessbereich besteht aus vier großen Logen, die je nach Bedarf auch und Größe der Veranstaltung verbunden werden können. Aufgrund der besonderen Lage zwischen Messe, Universität und Fraunhofer-Institut ergibt sich ein eigener Campus-Charakter, den diese Einrichtungen synergetisch nutzen können. Zum Beispiel durch die Nutzung des Businessbereich an Nichtspieltagen als Mensa, die dann von Mitarbeitern und Studenten gleichermaßen genutzt werden kann.

Im Obergeschoss befinden sich 18 VIP-Logen, die für 10-15 Personen ausgelegt sind und einen Blick aufs Spielfeld bieten. Sie verfügen über eine eigene Bar, Kühlschrank, Fernseher und sanitärer Einrichtung und die Möglichkeit besteht sich eine Erfrischung zu nehmen und das Spiel über ihre private Loge oder von dem abgetrennten Tribünenbereich, der sich direkt vor der Loge befindet, zu verfolgen. Diese Einrichtungen sind in vielen Stadien den Sponsoren des Heimklubs vorbehalten oder werden von Unternehmen zur Kundenbetreuung, in Form von Miete, Leasing oder Lizenzvereinbarungen für ein oder mehrere Jahre erworben. Das komplette Hospitality-Angebot und der Blick auf das Spielfeld sollen es den Unternehmen ermöglichen, ihren Gästen ein unvergessliches, einzigartiges Erlebnis zu bereiten.

Der Gästeblock befindet sich im Nordosten. Es besteht die Möglichkeit die Gästefans direkt vom Busparkplatz über eine Schleuse ins Stadioninnere zu lotsen, damit die gegnerischen Fantruppen nicht aufeinander treffen.

Auf der östlichen Stadionseite soll die Geschäftsstelle des Vereins untergebracht werden. Für die Mitarbeiter stehen Parkplätze in der Sockelzone zur Verfügung und ein großer Fahrradabstellplatz. Über den Empfang auf Erdgeschossebene gelangt man in die Büroräumlichkeiten der Geschäftsstellen. Insgesamt stehen 27 Büros mit Blick Richtung Flugplatz zur Verfügung.

Auf der Südtribüne hinter dem Tor werden die Heimfans des SC Freiburg auf einen der 12.000 gewünschten Stehplätze mit ihren Gesängen für Stimmung im Stadion sorgen.

Circa 0,5 – 1% der Zuschauerkapazität sollte für Menschen mit Behinderungen vorgesehen werden. In diesem Fall sind 175 – 350 behindertengerechte Sitzplätze erforderlich. Insgesamt stehen  216 Rollstuhlplätze im Stadion zur Verfügung.  Sie befinden sich zwischen unterem und oberem Rang und bieten somit eine sehr gute Sicht aufs Spielfeld. Die Verpflegungsstände und behindertengerechte sanitären Einrichtungen sind in der Nähe und leicht zugänglich. Mit den Abmessung 1,40m x 1,50m bieten sie genügend Platz für den Sitz der Begleitperson. 

Der Wasserverbrauch soll durch die Verwendung von Regenwasser reduziert werden. Durch die 2% geneigte Dachhaut läuft das Wasser nach hinten weg in Richtung Druckring, wo sich eine rundumlaufende Rinne befindet. Von hier aus wird das Wasser an 4 Stellen über die Stützten in eine Sammelbehälter transportiert, wo es für die Rasenbewässerung aufbereitet wird. Die Stützen, die für die Entwässerungen zuständig sind, verfügen über eine Innenliegende Regenrinne mit Revisionsöffnungen.

Das Energiekonzept sieht vor die überschüssige Abwärme aus dem Produktionsprozess eines Industrieunternehmens abzunehmen, ins Fernwärmenetz einzuspeisen und damit den Wärmebedarf des Stadions zu decken. Da diese Wärme bisher nutzlos verloren ging, ist das Konzept CO2-neutral. Entlang des Druckringes sollen außerdem Photovoltaik-Anlagen installiert werden, die den Jahresbedarf  an elektrischer Energie decken sollen und zusätzlich Strom ins Netz einspeisen können. Damit soll das Ziel eines klimaneutralen Stadions erreicht werden.